Die Realität lügt, denn die Realität ist nicht realistisch. Es gibt nur eine Realität, die Ewigkeit.

Am 18. Dezember 2010 machte ich an der Schipfe in Zürich eine Entdeckung, die den Anstoss zu dieser Website gab. Mit Mirjam spazierte ich an diesem kalten Wintertag durch Zürich und sah am Fensterladen eines kleinen Geschäftes das Zitat „Die Realität lügt, denn die Realität ist nicht realistisch. Es gibt nur eine Realität, die Ewigkeit.“ … Weiterlesen …

Blick auf die Fraubrik und eine Glace nach der Messe

Ich bin 1953 auf dem Kanapee eines Arbeiterhauses an der Hauptstrasse in Grellingen im Laufental zur Welt gekommen. Mein Vater war Werkmeister in der Schappe, einer Fabrik zur Seidenverarbeitung, wo auch meine Mutter früher gearbeitet hatte. Das halbe Dorf Grellingen war bei der Schappe beschäftigt. Für mich war die Fabrik die „Fraubrik“, weil ich beim … Weiterlesen …

Die Hühner der Frau Hofer und die Freude am Altar

Anfang der sechziger Jahre wechselte die Mutter in das Schappe-Werk Angenstein bei Aesch im Baselbiet, und wir zogen nach Aesch in eine Arbeitersiedlung der Schappe beim Bahnhof. Die Wohnung war klein und ohne Komfort. Es gab kein Warmwasser, gebadet wurde in der Waschküche und geheizt mit Holz und Kohle. Zum Telefonieren gingen wir in die … Weiterlesen …

Barocke Pracht und antike Heiterkeit

Ende 1966 musste alles ganz schnell gehen. Pfarrer und Lehrer hatten mich für den Priesterberuf vorgesehen. Ob ich selber je diesen Berufswunsch geäussert habe, weiss ich nicht mehr. Der Priesterberuf war im katholischen Milieu damals hoch angesehen. Für manche Buben galt er als Wunschberuf wie jener des Lokführers oder des Missionars, der in fernen Ländern … Weiterlesen …

Ora et labora und eine Todesahnung

Eigenartigerweise habe ich kaum mehr Erinnerungen an den Religionsunterricht an der Stiftsschule. An einer Klosterschule würde man eigentlich die Thematisierung von Glaubensfragen erwarten. Doch die katholische Welt war so tief ins Klosterleben eingewoben und allgegenwärtig, dass sie nicht eigens thematisiert werden musste. Religion war nicht primär Dogma, sondern fleischgewordene Wirklichkeit in Stimmung, Ton, Geruch. Auf … Weiterlesen …

Vom katholischen zum kirchlichen Kosmos

Nach der Matura liess ich mir Zeit, bis ich das Theologiestudium begann. Vielleicht war ich noch nicht ganz oder nicht mehr ganz überzeugt vom Berufsweg, dessen erste Etappe die Stiftsschule Einsiedeln war. Auf der Maturabroschüre gab ich als Studienfach „Phil. I.“, nicht „Theologie“ an. Aber einen Berufswechsel habe ich nicht in Betracht gezogen. Das Berufsziel … Weiterlesen …

Sinnieren am See und die anthropologische Wende

Nach einem Jahr verliess ich das Priesterseminar. Damals war das ein unüblicher Schritt. Ich zog in ein winziges Zimmer im Keller eines Mehrfamilienhauses hinter dem Pulverturm der Luzerner Stadtmauer. Zu Mittag verpflegte ich mich in einem Coop- oder Migros-Restaurant, häufig mit Quiche Lorraine mangels kostengünstiger Alternativen. Abends unternahm ich häufig ausgedehnte Spaziergänge am Luzerner Seequai … Weiterlesen …

Theologische Floskeln oder Die Nachtigall und die Lerche

In Freiburg hatte ich das Milieu verlassen, das nur auf Kirche und Theologie ausgerichtet war. Ich studierte jetzt an einer Universität mit dem ganzen Spektrum an Fakultäten, wo auch Kontakte über die Fakultätsgrenzen hinaus möglich waren. Mein Domizil hatte ich im Schönberg bezogen, einem Neubauquartier jenseits der Saane, wo ich jahrelang ein Zimmer mit separatem Eingang … Weiterlesen …

Die Entzauberung der Welt und der Flug mit dem Gleitschirm

Schon lange vor den Geschichtswissenschaften ist der christliche Glaube von den Naturwissenschaften relativiert und in Frage gestellt worden. Das Thema Natur hat mich immer interessiert. Gerne hätte ich im Studium mehr erfahren über die Beziehung zwischen Theologie und Naturwissenschaften, fand zu diesem Thema aber damals bis auf die Überlegungen des Jesuitenpaters und Evolutionsforscher Teilhard de … Weiterlesen …

Das Trojanische Pferd der unfrommen Denkart

Meine Vertiefung in die christlichen Glaubensvorstellungen aus geschichtlicher Perspektive brachten mir die erstrebte Klarheit über die christliche Ideenwelt. Sie hatten aber Nebenwirkungen, die dem Glauben nicht förderlich waren. Das Theologiestudium hatte ich begonnen, um meinen ererbten und „verwachsenen“ Glauben auf eine bewusste Ebene zu heben. Als Priester sollte ich ja ein Spezialist und Kundiger dieses … Weiterlesen …

Skeptische Ignoranz und Licht hinter dem Dunkel

Am Anfang der Philosophie stand das Staunen. Im Staunen sahen Aristoteles und Platon den Ursprung ihrer Disziplin. Staunen stellt sich ein, wenn bisher Selbstverständliches seine Selbstverständlichkeit verliert. Staunen ist auch der Ursprung der Skepsis. Skepsis entsteht, wenn der Verlust der Selbstverständlichkeiten und die Distanzierung vom Gewohnten zur „Frömmigkeit des Fragens“ führt, und dieses Fragen keine … Weiterlesen …

Die Konstruktion der Wirklichkeit und das gekühlte Glaubensfeuer

Die „theologia negativa“ und das Verständnis Gottes als „Nichts“ war, wie es mir damals schien, wenig geeignet als Glaubensgrundlage für den Priesterberuf. So wie ich diesen Beruf verstand und darin wohl mit den kirchlichen Vorstellungen übereinstimmte, waren Priester nicht dazu da, den Menschen zu verkünden, was Gott nicht sei, sondern was er sei und was … Weiterlesen …

Warum Priester aussterben – eine Arbeit ohne Ende

Das wissenssoziologische Erklärungsmodell bescherte mir erhellende Einsichten, beseitigte aber nicht die Distanz zu meinem ursprünglichen Berufsziel, dem Priestertum. Dieses ursprüngliche Berufsziel machte ich mir nun aber zum Thema meiner Lizentiatsarbeit. Das Thema habe ich auf eigene Faust und ohne Rücksprache mit einem Professor gewählt. Ich arbeitete unsäglich lange daran und gab das Projekt schliesslich auf. … Weiterlesen …

Das Gottesreich auf Erden und neuer Wein in alten Schläuchen

Ein Weg, dem Priesterberuf auch in der säkularen Welt weiterhin Geltung und Bedeutung zu verschaffen, besteht in der Strategie, das traditionelle Priesterverständnis weltlich umzudeuten. Der Priesterdienst kann aus dieser Sicht verstanden werden als Engagement für „die Sache Jesu“. Zu meiner Studienzeit, in der die rebellischen 68er Jahre noch nachhalten, lag dieses Priesterverständnis für manche politisch wachen … Weiterlesen …

Der Glaube an den Glauben oder Orthodoxie ohne Duft und Farbe

Ein anderer Weg, den Priesterberuf in die säkulare Welt zu retten, wäre gewesen, sich erst gar nicht auf diese säkulare Welt einzulassen, sondern weiter in der religiösen Sinnwelt zu verharren oder wieder zu ihr zurückzukehren. Das hätte zwar eine Art „intellektuelles Opfer“ bedeutet, ein „sacrificium intellectus“. Diese Option wäre aber in guter Gesellschaft mit ähnlichen … Weiterlesen …

Religion als Erfahrung und Geschmack für das Unendliche

Da weder eine säkulare Umdeutung noch ein heroisches intellektuelles Opfer meinen entzauberten Glauben retten konnten, erwog ich noch einen dritten Weg, jenen der Religion als Erfahrung. Dabei kam mir der Geist der Skepsis zu Hilfe. Er hat mich ja zur Erkenntnis geführt, dass Gott zum Vorschein kommt, wenn alle menschlichen Erkenntnisversuche gescheitert sind. Das ist … Weiterlesen …

Das Herz schlägt für den Narren

Das Thema Religion als Erfahrung fand ich sehr ergiebig, und ich hätte ihm noch lang nachforschen können. Einer Frage nachzuspüren und Zusammenhänge zu entdecken, war für mich eine lustvolle Beschäftigung und erfüllte mich. Aber irgend einmal musste der Ernst des Lebens anfangen und sich das Studium auszuzahlen beginnen. So nahm ich eine Stelle als Religionslehrer an … Weiterlesen …

Das Licht der Medienwelt und der Ritt auf einem toten Pferd

Mit dieser „ent-entfremdenden“ Wirkung der Religion konnte ich mich anfreunden. Sie entsprach meiner skeptischen Gesinnung und sie war auch eine vorteilhafte Voraussetzung für das journalistische Metier. Journalismus soll sich ja meinem Verständnis nach bemühen, hinter die Fassaden der Selbstverständlichkeiten und offiziellen Sichtweisen zu blicken und den Leuten nicht nach dem Mund zu reden oder irgendwelchen … Weiterlesen …

Mystische Reizblockade und die Entstehung der Welt im Kopf

Ich nahm den Faden wieder auf, wo ich ihn beiseite gelegt hatte, als ich beruflich auf einen anderen Weg einbog. Damals hatte mich die skeptische „docta ignorantia“ zur „theologia negativa“ und zum Zitat „Tunc enim reperitur Deus, quando omnia linquuntur; et haec tenebra est lux in Domino“ von Nikolaus von Kues. Das Zitat, das mich … Weiterlesen …

Schönheit liegt im Auge des Betrachters und die Erkenntnis eines Bischofs

Die Vertiefung in die Fragen der Wahrnehmung der Realität weckte bei mir die Erinnerung an ein Aha-Erlebnis in meiner Studentenzeit während einer Bahnfahrt nach Hause. Ich war aus irgendeinem Grund besonders heiter gestimmt, und erlebte jetzt auch die vorbeiziehende Landschaft besonders heiter und attraktiv, obwohl sie mir bisher farblos und banal vorgekommen war. Da hatte … Weiterlesen …

Der Lampengeist im Wald und die Stufen des Bewusstseins

Die Beschäftigung mit den Erkenntnissen der Hirnforschung und der Erkenntnistheorie hat mich zurückgeführt zum Thema, das mich im Studium so intensiv beschäftigt hat, und zu dem ich Antworten bei der Wissenssoziologie fand: Was ist Wirklichkeit, wie entsteht sie, warum nehmen wir sie als Wirklichkeit wahr? Damals wurde mir bewusst, dass Wirklichkeit eine Konstruktion ist, die … Weiterlesen …

Das Gottesmeer und ein Mönch auf dem Scheiterhaufen

Was aber ist die Ewigkeit? Was der Autor des Zitats „Die Realität lügt …“ mit Ewigkeit meint, konnte ich nicht herausfinden. Ich stelle mir unter „Ewigkeit“ jene Wirklichkeit vor, die unseren sozialen und neurologischen Realitätskonstruktionen voraus liegt und unsere menschliche Erkenntnis übersteigt. Der altgriechische Philosoph Demokrit vermutete hinter unserer menschlichen Realität den endlosen Raum des Nichtseins … Weiterlesen …

Der Tropfen im Wein und Staunen über das Mysterium

Das Verständnis Gottes als der Wirklichkeit hinter aller Wirklichkeit machte ich zur Grundlage meines Wirkens als Seelsorger. Ich sah in ihm den roten Faden, der mich seit dem Studium oder schon früher geleitet hat. Mit diesem Faden wob ich nun das theologische Fundament für mein Amt. Möglicherweise bewegte ich mich dabei nicht immer ganz in … Weiterlesen …